Der Redenhof in Hameln
ist einer von wenigen städtischen Adelssitzen des Weserraumes,
die sich annähernd in Bestand und Größe erhalten haben

Ostertorwall 37 und 37A in 31785 Hameln · Foto: privat, 1993.
1568 erwirbt Ernst v. Reden (1529-1589) von Thönnies Voget und dessen Ehefrau Mette "dat hus, Hoff, Wordt und beventhe mitt allen synen thobehorigen gerechtigkeiten [...] up dem orde vor dem groten hove unde negest des Rades Stalle gelegen". In den kommenden Monaten erweitert er das Gelände, indem er vom benachbarten Hof des Braun von Eddingerode ein Stück Land erwarb, das er mit einer Mauer umfrieden durfte.
Eine
spannende Frage ist, ob der von Ernst erworbene Hof auch damals schon als "groter"
Hof bezeichnet wurde oder zunächst mit "roter" Hof
-
u.a. mit Argument aus dem o.g. Wortlaut "dat hus,
Hoff (...) up dem orde vor dem groten hove ..."
- beschrieben wurde,
ehe er dann nach und nach so groß wurde,
dass die Bezeichnung als "großer Hof" gut passte.
Entsprechend seinem Titel geht der Artikel von Anne Schnunicht-Rawe, Der »Rote Hof« der Familie von Reden in Hameln, von der zweiten Variante aus. Darin erfolgt eine ausführliche Beschreibung der historischen Ausdehnung und des Bestandes der Hofanlage im 16. und 17. Jahrhundert anhand historischer Aufzeichnungen, Baupläne etc. Für eine Ausstellung in den 1990er Jahren erfolgte sogar eine Rekonstruktion im Modell (Foto).
Historischer Stadtplan von 1760
Um 1850 wird die Straße entlang der langen Hauswand nach dem angrenzenden Gebäude "Redenhofstraße" benannt, noch später wird sie zur "Großehofstraße".
Mit Punkt 10 des virtuellen Hamelner Stadtrundgangs geht der Blick von der aufgestellten Hinweistafel in der "Alte Marktstraße" Richtung Großehofstraße auf die Fassade des Redenhofs.
Bei
der Neustruktierung der Hausadressen Mitte des 20. Jahrhunderts war für den
Redenhof zunächst "Großehofstraße" (Nr. 1) geplant. Da die
Parkmauer des Redenhofs aber auch einen längeren Part am südlichen
Ostertorwall ausmacht, erhielten die
beiden Gebäude des Redenhofs dann die Hausnummern Ostertorwall Nr. 37 und Nr. 37A,
während die Hausnummer 37 ursprünglich für die Feuerwache vorgesehen war; sie
hat seitdem Nr. 37B.
Zum heutigen Gut gehören haus- und landwirtschaftlich, gewerblich und zu Gemeinschaftszwecken genutzte Grundstücke in Streulage. Sie sind vermietet, verpachtet oder als Erbbaurechte vergeben. Der Redenhof dient auch heute noch - neben anderen Mietern - einigen nächsten Verwandten der Eigentümer als Wohnsitz und ist der einzige noch existierende Adelshof in der Stadt.
[Tabellarische Übersicht der bisherigen Eigentümer]
Der erste redensche Eigentümer Ernst v. Reden (1529-1589) wurde von Zeitgenossen als "redegewandt, mächtig an Rat, ein Liebhaber ruhigen Friedens und Mehrer der Schätze" beschrieben. Nachdem er schon in jungen Jahren Drost und Pfandgläubiger von Burgdorf war, berief ihn 1572 Herzog Wilhelm v. Celle zum Statthalter im Fürstentum Lüneburg. Er hatte dort nicht unbedeutenden Anteil an der hohen Kulturblüte des Hofes und ist der erste niedersächsische Edelmann, von dem überliefert ist, dass er Bücher sammelte.
Auch soll durch
seine Vermittlung der Neubau des Celler Rathauses von Hamelner Baukünstlern in
deren heimatlichem Stil vollendet worden sein. 1579 kehrte er nach Hameln zurück,
wo er die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte. In seinem Testament schloß
er seine Töchter von der Erbschaft an den von ihm erworbenen Gütern aus, so dass
dieses als ältestes niedersächsisches Dokument mit Bestimmungen der späteren
Fideikommißstiftungen angesehen wird.
Federzeichnung von Emmy Praël, *02.03.1864 im Kreis Göttingen + 20.01.1944 in Hameln
Ernst v. Reden
ist
Stammvater aller heutigen redenschen Namensträger. Von seinen sieben Söhnen
unter 19 Kindern setzte nur
Henning v. Reden, der 1639 das nahegelegene Rittergut
Hastenbeck erwarb
, den Stamm fort.
Zwei von dessen Söhnen begründeten die beiden heutigen Linien, wobei
Wilhelm v. Reden
(1627 - 1661) die 'Hamelner Linie' begründete. Für diese Linie errichtete Land- und Schatzrat
Jobst-Johann v. Reden auf Hameln, Hastenbeck und Bennigsen II (1656-1734) mit
seinem Nachlaß ein Fideikommiß zugunsten seiner Nachkommen im Mannesstamm. Auch nach dessen Auflösung infolge der reichsgesetzlichen Regelungen nach dem
Ersten Weltkrieg wurde der Familienbesitz entsprechend dem Testament des
Jobst-Johann weitervererbt.
Ein Vorbesitzer von besonderer Bedeutung war der Königlich preußische Staatsminister Friedrich Wilhelm v. Reden (1752-1815), der 1786 als Berghauptmann zu Breslau in den Grafenstand erhoben wurde. Friedrich Wilhelm hat jedoch nur wenige Jahre im Redenhof gelebt. Nachdem seine Mutter bereits verstarb, als er noch ein Kleinkind war, und sein Vater oft auf Reisen war, wuchs er - glücklich - in der Familie der Schwester seines Vaters auf. Im Alter von 12 Jahren kehrte er für etwa vier Jahre nach Hameln zurück. Dann starb sein Vater in 1767 und Friedrich Wilhelm lebte dann einige Zeit in Clausthal bei Claus Friedrich v. Reden, dem Bruder seines Vaters, der dort als Kammerrath und Bergdrost die Bergwerke des Oberharzes verwaltete. Dort entwickelte Friedrich Wilhelm sein besonderes Interesse für das Berg- und Hüttenwesen. Nachdem er technische und juristische Ausbildungen samt Studiengängen absolviert hatte, trat er Mitte der 1770er Jahre in die Dienste des Preussischen Königs ein, um den Folgejahren überwiegend in Schlesien zu leben, wo er zum "Begründer des schlesischen Berg- und Hüttenwesens" wurde, indem er u.a. eine Dampfmaschine (für die Entwässerung der Stollen) - die allererste auf dem Kontinent überhaupt - aus England einführen und seine Pläne zur Errichtung der Eisenhüttenwerke Königshütte (heute Chorzow, Polen) durchsetzen konnte. Zum Gedenken daran wurde zu seinem 200. Geburtstag in 1952 an seinem Geburtshaus im Redenhof von der Landsmannschaft Schlesien feierlich eine Bronzetafel angebracht.
Da Graf Reden kinderlos starb, ging der Besitz auf seinen Vetter Claus (1774-1840) über. Dieser war mit Philippine Knigge, dem einzigen Kind des aufklärerisch-zeitkritischen Schriftstellers (Über den Umgang mit Menschen) Adolf Freiherrn Knigge, verheiratet.
Während seiner Schulzeit in Hameln (um 1910) wohnte der Schriftsteller Ernst Jünger im Redenhof bei Herrn Pastor Haase.
Der Redenhof ist in das Verzeichnis der Baudenkmäler Niedersachsens aufgenommen und heute noch im Besitz der Familie, in ungeteilter Erbengemeinschaft.
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